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ATIS verstehen: Schritt-für-Schritt-Leitfaden für Flugschüler

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Flugschüler notiert ATIS-Angaben auf einem Kniebrett in einem abgestellten Schulungsflugzeug

Für Flugschülerinnen und Flugschüler in Europa kann sich der Sprechfunk zunächst wie eine eigene Sprache anhören. Ein besonders wichtiges Element ist ATIS (Automatic Terminal Information Service) – eine fortlaufende Meldung mit flughafenspezifischem Wetter, Pisteninformationen und weiteren betrieblichen Hinweisen. ATIS unterstützt das Situationsbewusstsein und reduziert wiederkehrende Meldungen auf stark belegten Frequenzen.

Dieser Beitrag erklärt, was ATIS im europäischen Kontext ist, wie Sie die Meldung strukturiert erfassen und warum sie relevant ist. Nutzen Sie die Hinweise als Lernhilfe im Rahmen Ihrer Flug- und Sprechfunkausbildung; maßgeblich bleiben stets AIP, veröffentlichte Verfahren, aktuelle Flugunterlagen und die Anweisungen Ihrer Lehrkräfte und der Flugsicherung.

1. Was ist ATIS?

Definition und Zweck

Der Automatic Terminal Information Service (ATIS) ist eine aufgezeichnete beziehungsweise automatisiert bereitgestellte Luftfahrtmeldung mit aktuellen Angaben unter anderem zu:

  • Wetterbedingungen wie Wind, Sicht, Bewölkung, Temperatur, Taupunkt und QNH;

  • benutzter Piste;

  • NOTAM- oder SNOWTAM-relevanten Hinweisen, soweit sie in die Meldung aufgenommen sind;

  • weiteren betrieblichen Hinweisen, etwa gesperrten Rollwegen oder Vogelaktivität.

Diese Informationen entlasten die Frequenzen der Flugsicherung (ATC) von wiederholten Standardangaben und schaffen für an- und abfliegende Luftfahrzeuge einen gemeinsamen aktuellen Informationsstand zum Flughafenbetrieb.

Typische ATIS-Bestandteile in Europa

  • Flughafenkennung: Name oder ICAO-Code des Flughafens.

  • Kennbuchstabe: Jede aktualisierte ATIS-Meldung erhält einen Buchstaben wie Alfa, Bravo oder Charlie.

  • Zeitgruppe: Die Zeit wird in UTC angegeben.

  • Wetterübersicht: Dazu können Windrichtung und -geschwindigkeit in den veröffentlichten Einheiten, Sicht in Metern, Temperatur, Taupunkt und QNH in hPa gehören.

  • Benutzte Piste oder Pisten: Die für An- und Abflüge gemeldete Konfiguration.

  • Zusätzliche Hinweise: Besondere Bedingungen oder Einschränkungen.


2. Frequenz einstellen und zuhören

Wo Sie die ATIS-Frequenz finden

  • Anflugkarten und AIP: Die zuständige Aeronautical Information Publication, aktuelle Karten oder gleichwertige veröffentlichte Unterlagen nennen üblicherweise die ATIS-Frequenz.

  • Offizielle Flughafeninformationen: Manche Flughäfen veröffentlichen Frequenzen auch auf ihren Websites oder in zugelassenen Informationsdiensten. Prüfen Sie Aktualität und Verbindlichkeit.

  • Flugsicherung: Wenn eine Information fehlt oder sich geändert hat, halten Sie sich an das veröffentlichte Verfahren und die Anweisungen der zuständigen ATC-Stelle.

Lerntipp: Verbinden Sie Ihr ATIS-Training mit einem sicheren Verständnis von ICAO-Frequenzen, Zahlen und Rücklesen. Korrekte Rücklesungen von Höhen, QNH und Pistenangaben sind ein wesentlicher Bestandteil der Sprechfunkausbildung.

Beispiel einer europäischen ATIS-Meldung

Hören Sie aufmerksam zu, notieren Sie den Kennbuchstaben – etwa „Information Bravo“ – und halten Sie ihn beim anschließenden Funkkontakt bereit.

Beispieltranskript:

Schriftliche Übungsnotiz (kein verbindliches Funkmuster): Zürich Arrival Information Kilo; Zeit 09:20 UTC; erwarteter ILS-Anflug Piste 14; Übergangsflugfläche 70; Abflugpiste 28; Wind 070° mit 4 kt, schwankend zwischen 010° und 110°; Sicht 8 km; Bewölkung FEW 700 ft, SCT 900 ft, BKN 1 100 ft; Temperatur 1 °C; Taupunkt −1 °C; QNH 1031 hPa; NOSIG. Formulieren und sprechen Sie die Werte anschließend ausschließlich nach den für Ihre Ausbildung geltenden veröffentlichten Sprechfunkregeln.

Flugschüler notiert ATIS-Angaben auf einem Kniebrett in einem abgestellten Schulungsflugzeug

3. Wichtige Angaben einordnen

Sicht in Metern

In Europa wird die Sicht häufig in Metern angegeben, beispielsweise 1.500 m oder 5.000 m; 10 km oder mehr wird entsprechend den geltenden Meldekonventionen wiedergegeben. Achten Sie bei grenzwertigen Bedingungen besonders auf die exakte Angabe und beurteilen Sie sie nur im Rahmen Ihrer Ausbildung, Freigaben und betrieblichen Minima.

Höhenmessereinstellung (QNH)

  • Hektopascal (hPa): In Europa wird QNH überwiegend in hPa angegeben. Der Standarddruck beträgt 1013,25 hPa; die gemeldete lokale Einstellung kann davon abweichen.

  • Klar rücklesen: Ein Übungsbeispiel lautet „QNH one zero one three“. Stellen und prüfen Sie den Höhenmesser ausschließlich nach den geltenden Verfahren und Anweisungen.


Benutzte Piste

  • Pistenbezeichnung: Pisten werden anhand ihrer magnetischen Ausrichtung bezeichnet und auf zwei Ziffern gerundet, zum Beispiel Piste 20.

  • Änderungen erwarten: Ändert sich die betriebliche Lage, kann ATC eine andere Piste verwenden; die aktualisierte ATIS weist die neue Information aus.


4. ATIS in Europa Schritt für Schritt nutzen

  1. Veröffentlichte Frequenz einstellen: Entnehmen Sie die aktuelle ATIS-Frequenz der maßgeblichen Karte oder AIP.

  2. Zuhören und Kerndaten notieren: Erfassen Sie Kennbuchstaben, Wind, Sicht, QNH, Temperatur, Taupunkt und benutzte Piste.

  3. Informationskennung feststellen: Jede Meldung trägt einen Buchstaben, etwa „Information Bravo“, der sich bei einer Aktualisierung ändert.

  4. Planung und Instrumente nach Verfahren anpassen: Berücksichtigen Sie QNH, Pistenkonfiguration und veröffentlichte Hinweise innerhalb Ihrer betrieblichen Verfahren.

  5. Aktuelle Information melden: Geben Sie beim Kontakt mit der zuständigen ATC-Stelle nach dem anwendbaren Sprechfunkverfahren an, welche ATIS-Kennung Sie aufgenommen haben.


5. Häufige Fehler in der Ausbildung

  1. Aktualisierung übersehen: Bei raschen Änderungen kann aus Bravo bereits Charlie geworden sein. Vergewissern Sie sich, dass Ihre Information aktuell ist.

  2. Nichts notieren: Wer sich allein auf das Gedächtnis verlässt, verwechselt unter Belastung leichter Dezimalzahlen, Sichtangaben oder mehrere Hinweise.

  3. QNH falsch einstellen: Eine verwechselte Einheit oder Einstellung kann zu einer falschen Höhenanzeige beitragen. Trainieren Sie das Verfahren mit Ihrer Fluglehrkraft.

  4. Örtliche Verfahren vernachlässigen: ATIS-Meldungen können flughafenspezifische Bemerkungen enthalten. Hören Sie genau zu und prüfen Sie die veröffentlichten Unterlagen.


6. ATIS mit weiteren Sprechfunkfertigkeiten verbinden

  1. ICAO-Funkalphabet: Beherrschen Sie das Funkalphabet, damit Sie Informationsbuchstaben und Rufzeichen eindeutig verstehen.

  2. Standard-Sprechgruppen: Üben Sie das korrekte Rücklesen von Höhen, Pisten und QNH, beispielsweise „QNH one zero one five“ oder „Runway two zero“.

  3. Rückmeldung der Lehrkraft: Arbeiten Sie mit rechtmäßig verfügbaren oder simulierten ATIS-Meldungen und werten Sie die Übung anschließend mit einer qualifizierten Flug- oder Sprechfunklehrkraft aus.

Pilot im beleuchteten Cockpit mit einem Luftfahrzeug vor dem Fenster

Fazit

Ein sicheres Verständnis von ATIS ist für Flugschülerinnen und Flugschüler ein wichtiger Ausbildungsschritt. Wenn Sie Frequenz, Kennbuchstaben und Angaben zuverlässig erfassen und in die geltenden Verfahren einordnen, entlasten Sie die ATC-Frequenz und behalten Wetter- und Pisteninformationen im Blick.

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